Programm

Unser Wahlprogramm für die Hochschulwahlen 2014:

Für besseres studentisches Leben und Wohnen 
Mit der steigenden Anzahl Studierender in Bamberg wurde der Wohnraum knapp und die Mieten sind stark gestiegen. Uns ist es daher ein hohes Anliegen, dass der Bau sozialverträglichen Wohnraums durch das Studentenwerk Würzburg, die Stadtbau Bamberg GmbH sowie der Stadt Bamberg vorangetrieben wird. Die Schließung der US-Kaserne bietet hierfür eine gute Gelegenheit. Deshalb setzen wir uns gegen die Privatisierung und für sozialen Wohnungsbau auf dem Gelände ein. Ohnehin ist mit der Steigerung der Mietkosten zu rechnen, da die hier ansässigen Unternehmen, wie auch die Universität Bamberg in den kommenden Jahren weiter expandieren werden. Daher gilt das Argument der sinkenden Studierendenzahlen, das bisher vorgeschoben wurde, um kurzfristige Ausgaben zu vermeiden, nicht mehr. Wir fordern alle Beteiligten, insbesondere das Studentenwerk Würzburg auf, günstigen Wohnraum zu schaffen, damit auch Studierende, die weniger als beispielsweise 450€ im Monat für die Miete zur Verfügung haben in Bamberg leben und studieren können, ohne dabei, aufgrund des finanziellen Drucks, ihr Studium zu vernachlässigen.

Kostenlose Bildung für alle
Wir haben die allgemeinen Studiengebühren für das Erststudium abgeschafft. Trotzdem stehen noch Lang- und Zweitstudiengebühren im Raum. Durch zunehmenden Leistungsdruck und steigende Lebenserhaltungskosten bei gleichbleibenden BaFöG-Sätzen ist es für viele Studierende unmöglich ohne einen Nebenjob über die Runden zu kommen. Das ist der häufigste Grund dafür, warum sich das Studium verlängert. Zusätzliche Langzeitstudiengebühren bringen daher Studierende in eine ausweglose Lage, zumal das Bafög nach einer gewissen Regelstudienzeitüberschreitung ohnehin weggekürzt wird.
Ebenso sind Zweitstudiumsgebühren mit unserem Bildungsideal nicht vereinbar. In einer sich immer schneller entwickelnden Welt ist Weiterbildung unabdingbar. Unser Ideal von Bildung ist lebenslanges Lernen und daher sollte jedem und jeder der Zugang zur Bildung auch berufsbegleitend und in jedem Lebensabschnitt ohne finanzielle Hürden gegeben sein.
Die Abschaffung der allgemeinen Gebühren ist ein Schritt in die richtige Richtung, doch es bleibt noch viel zu tun. Die wegfallenden Gebühren müssen vollständig kompensiert werden, sodass den Universitäten weiterhin mindestens die gleichen Mittel zur Verfügung stehen und keine Einsparmaßnahmen, wie beispielsweise die Verkürzung der Öffnungszeiten der Bibliotheken, nötig sind.
Zusätzlich müssen die Grundmittel aufgestockt werden, da viele Hochschulen in Bayern chronisch unterfinanziert sind. Die zur Verfügung stehenden Gelder sollten nicht, wie es derzeit praktiziert wird, in einzelne Hochschulen gesteckt werden, um diese exzellenter und elitärer zu machen, sondern gerecht auf alle verteilt werden, um die Qualität überall gleichermaßen zu verbessern.

Gegen militärische Forschung – für eine friedliche Hochschule durch Einführung einer Zivilklausel
An vielen Universitäten und Hochschulen ist die Forschung für militärische Zwecke leider noch Alltag. Hierbei ist jedoch nicht allein die Schuld bei den Institutionen zu suchen. Die Auftraggeber aus den Reihen der Rüstungsindustrien können durch eigene Subfirmen, deren Namen nicht auf die auftraggebende Hauptfirma schließen lässt, unbemerkt Aufträge zur militärischen Forschung an die Universitäten/Hochschulen weitereichen. Die Universitäten/Hochschulen forschen somit unwissend im Namen der Rüstungsindustrie. Daher fordern wir als Juso Hochschulgruppe Bamberg die Einführung der Zivilklausel an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Diese Klausel verankert, dass die Universität zur friedlichen Forschung verpflichtet ist. Im Falle einer pro-militärischen Forschung, ohne Wissen der Forschenden, kann die Universität die Forschungszusammenarbeit einseitig abbrechen, ohne Konsequenzen seitens der Auftraggeber fürchten zu müssen. Das Argument, dass militärische Forschung nicht automatisch zu Produkten zur aktiven Kriegsbewältigung führt, können wir nicht akzeptieren. Selbst im Falle, dass etwa die Bundeswehr die gewonnenen Information nicht für eigene militärische Zwecke verwendet, besteht dennoch die Gefahr der Informationsweitergabe an andere militärische Institutionen, welche wiederum von den Informationen Gebrauch machen könnten. Um eine Zivilklausel effektiv in der Satzung der Universität zu implementieren, ist die Schaffung von Transparenz bei den erworbenen Drittmitteln von elementarer Bedeutung. Make science – not War! 
Für eine nachhaltige Hochschule

Die Hochschulen als Ort der freien Bildung und Forschung müssen ein verantwortungsvolles Vorbild in Sachen ökologischer Gestaltung einnehmen. Dazu zählen für uns verschiedene Teilbereiche, welche  Beachtung finden müssen. Eine nachhaltige und ökologische Hochschule muss stärker ökologische Ressourcen verwenden, die weitestgehend umweltfreundlich sind und möglichst aus der Region kommen. Hierbei muss auch das Mensa-Essen in den Planungen berücksichtigt werden. Zur Erfüllung unseres angestrebten Zieles, muss das Mensa-Essen häufiger vegetarisch, vegan und in vielfältigeren Varianten angeboten werden, was auch die Ausübung der verschiedensten Glaubensrichtungen an unserer Universität erleichtern würde.  Vegan und vegetarisch lebende Menschen dürfen nicht finanziell benachteiligt werden Energieverschwendung sollte durch rücksichtsvolles Verhalten und durch angemessene Baumaßnahmen eingedämmt werden.
Eine nachhaltige Hochschule beinhaltet auch eine nachhaltige Bildung, die das ökologische Bewusstsein und Zusammenhänge im Studium vermittelt. Auch die Forschung sollte nachhaltig gestaltet und ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Nachhaltige Forschung bedeutet nicht nur einen umweltschonenden Forschungsprozess, in dem auch der Schutz von Tier und Natur beachtet wird, sondern ebenfalls die Forschung zu Nachhaltigkeit in allen Fachbereichen.

Für eine Bafögreform
Wir setzen uns für ein elternunabhängiges, bedarfsgerechtes Bafög als Vollzuschuss ein.
Ob Student*innen heute Bafög bekommen, hängt vom Einkommen und Vermögen der Eltern ab. Dies ruft oftmals große Probleme hervor. Eine erwachsene Person sollte nicht von den Eltern abhängig sein. Oftmals üben Eltern bei der Fächerwahl Druck aus, andere weigern sich gar überhaupt für das Studium zu bezahlen. Zwar kann diese Unterstützung eingeklagt werden, doch nachvollziehbarerweise meiden die meisten Studierenden einen Rechtsstreit mit den Eltern. Auch herrscht in Deutschland keine homogene Familienlandschaft vor. Patchworkfamilien, Alleinerziehende und ebenso Unterhaltsverweigerungen gehören zur Lebensrealität, denen sich die Politik anpassen muss.
Zudem fangen viele Menschen im Moment gar nicht erst ein Studium an, da die Aussicht auf einen Schuldenberg nach dem Studium abschreckt. Daher muss Bafög als Vollzuschuss gewährt werden. Das bedeutet, dass nichts zurückgezahlt werden muss. In skandinavischen Ländern ist das schon lange Praxis – mit hervorragenden Resultaten – und für ein wirtschaftlich so gut situiertes Land wie Deutschland würde das, entgegen der Behauptungen von vielen konservativen Politiker*innen, keine zu große finanzielle Belastung darstellen.
Darüber hinaus liegt der derzeitige Baföghöchstsatz unter dem Existenzminimum – ist also niedriger als der Hartz IV Satz. Um ein menschenwürdiges Leben zu führen sind daher viele Studierende gezwungen neben dem Studium zu arbeiten. Doch mit einem Nebenjob wird, da der Leistungsdruck immer größer wird und immer mehr Lernstoff in immer kürzerer Zeit bewältigt werden muss, ein vernünftiges Studium unmöglich. Eine steigende Anzahl psychischer Probleme, erhöhte Abbrecher*innenzahlen, Missbrauch von leistungssteigernden Mitteln wie Ritalin und Amphetaminen und Missbrauch von Alkohol und anderen Drogen sind mögliche Folgen.
Deshalb muss ein Bafög die bedarfsgerechte Finanzierung bieten, damit ein vernünftiges Studium möglich wird und Studierende sich individuell entfalten und entwickeln können. Bedarfsgerechte Finanzierung bedeutet unserem Verständnis nach eine Ausrichtung an den tatsächlichen Bedürfnissen von Studierenden und nicht an theoretischen Zahlenmodellen. Studieren ist eine Vollzeitbeschäftigung, zusätzliche Jobs dürfen nicht notwendig sein!

Gegen Zwangsanmeldung bei Prüfungen und für weniger Leistungsdruck
Nicht bestandene Prüfungen zwangsweise im nächsten Semester wiederholen zu müssen, widerspricht unserem Verständnis von selbstbestimmter und freier Bildung. Deshalb kämpfen wir gegen die Zwangsanmeldung, die es aktuell bei vielen Prüfungen gibt. Zwangsanmeldungen sind unnötig und wurden bereits an anderen Universitäten abgeschafft.  Auch bei zentral organisierten Prüfungen müssen zeitnahe Nachprüfungen im gleichen Semester in allen Fächern angeboten werden. Ebenfalls setzen wir uns für unbegrenzte Wiederholungsmöglichkeiten nicht bestandener Prüfungen ein.Wird die Wiederholungsmöglichkeit auf maximal zwei oder drei Möglichkeiten beschränkt, was bislang der Fall ist, so sind die Studierenden bei einem Zweit – oder Drittversuch einem enormen psychischem Druck ausgesetzt, was erhebliche negative Konsequenzen auf die Konzentrationsfähigkeit hat. Ebenso sollte jederzeit eine Abmeldung von der Prüfung, auch am Prüfungstag durch Nichterscheinen, möglich sein. An vielen anderen Hochschulen ist dies Praxis. Freie Persönlichkeitsentwicklung und effektives Lernen wird durch Zwang jeglicher Form unterdrückt!


Für Gleichstellung in allen Bereichen
Wir setzen uns dafür ein, dass keine Entscheidung an der Hochschule Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder der Herkunft benachteiligt. Wir verstehen uns selbst als feministische Hochschulgruppe, sodass ein besonderer  Arbeitsschwerpunkt seit jeher auf der Gleichstellung von Frauen liegt. Denn obwohl immer mehr Frauen eine Hochschulzugangsberechtigung erreichen, nehmen weit weniger von diesen ein Studium auf. Zudem sind Frauen in leitenden Funktionen des Wissenschaftsbetriebs unterrepräsentiert. Auch die Fächerwahl ist immer noch durch starke Geschlechtsstereotype geprägt. So sind Frauen auch in Bamberg in „typisch weiblichen” Studiengängen wie denen des Lehramts überrepräsentiert, wogegen Männer weit häufiger „typisch männliche” Studiengänge wie die der Informatik wählen.
Die Opfer, die der Geschlechterdiskriminierung ausgesetzt sind, ordnen sich jedoch nicht alle dem weiblichen Geschlecht zu. Deswegen gilt es innerhalb einer modernen Gleichstellungspolitik auch die Menschen zu berücksichtigen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen wollen und können.
So muss einerseits der Kampf gegen die konstruierte Zweigeschlechtlichkeit geführt werden, nicht um andere Menschen von ihrem Geschlecht “weg zu missionieren”, sondern um die Akzeptanz anderer Geschlechter herbeizuführen und somit der breiten Masse der Gesellschaft andere Optionen innerhalb der Mehrgeschlechtlichkeit aufzuzeigen. Andererseits macht der gesellschaftliche Status Quo ein entschiedenes Eintreten gegen das Patriachat dringend notwendig, um der Utopie einer Gleichstellung der Geschlechter tatsächlich näher zu kommen.
Aus diesen Gründen setzen wir uns für eine kritische Reflexion des Umgangs mit dem Thema Gender und mit Menschen, die sich nicht in das binäre System einordnen können oder wollen, innerhalb der universitären Strukturen ein. Dazu gehört für uns auch die Nutzung gendergerechter Sprache.
Außerdem fordern wir anstelle einer Frauen- die Implementierung einer Gleichstellungsbeauftragten, um tatsächlich auch allen Geschlechtern gerecht werden zu können.

Für eine inklusive Hochschule
Wir fordern, dass die Universität Bamberg eine inklusive Hochschule wird. Das bedeutet, dass die Hochschule eine solche Umgebung sein muss, dass auch Menschen mit Beeinträchtigung problemlos am universitären Leben teilhaben können. Bislang werden behinderte und chronisch kranke (und anderweitig eingeschränkte) Studierende nach wie vor diskriminiert, in dem bestehende Barrieren nicht abgebaut werden. Barrieren sind nicht nur physischer Art wie beispielsweise Treppen. Es existieren noch andere Formen der Einschränkung wie Technik- und Informationsbarrieren in Form von fehlenden EDV-Arbeitsplätzen für stark seh- und hörgeschädigte Menschen. Weitere Hürden sind in den Studien- und Prüfungsordnungen zu finden, da diese nicht ausreichend individuelle Bedürfnisse chronisch Kranker Menschen berücksichtigen. Zwar ist in allen Prüfungsordnungen ein Nachteilsausgleich vorgesehen,  doch ist dieser oft unzureichend ausgestaltet. Entscheidend ist eine  individuelle Anpassung der Bedingungen. Zum Teil wird die Anpassung stark pauschalisiert vorgenommen, was dazu führt, dass auch die so  „angepassten“ Bedingungen keine echte Chancengleichheit gewährleisten. Häufig sind  Barrieren nicht unveränderliche Gegebenheiten, mit denen man  umzugehen lernen muss, sondern größtenteils von Menschen  geschaffen und damit veränderbar.  Der Abbau solcher Barrieren muss daher vorangebracht werden, damit allen Menschen unabhängig ihrer Einschränkungen die Teilhabe an der Universität ermöglicht werden kann.
Für eine familienfreundliche Hochschule

Laut dem Studierendenwerk Würzburg haben rund 7 % der Studierenden mindestens ein Kind. Für Bamberg bedeutet das bei derzeit fast 13.000 Immatrikulierten, dass ca. 400 – 500 Kinder von Bamberger Studierenden großgezogen werden – wenn man für die Schätzung davon ausgeht, dass jeweils beide Elternteile studieren und jeweils gemeinsam „nur“ 1 Kind haben, was in der Realität wohl nur teilweise gegeben sein wird, sodass die tatsächlichen Kinderzahlen noch deutlich höher ausfallen dürften.
Diesen 400 – 500 Kindern stehen derzeit gerade einmal 61 Kita-Plätze in Einrichtungen der Universität und des Studierendenwerks gegenüber. Hier zeigt sich, dass obwohl sich die Uni Bamberg als familienfreundliche Universität präsentiert, noch ein großer Handlungsbedarf besteht. Daher fordern wir einen Ausbau der Kinderbetreuung, sodass ausreichend Kitaplätze für die Kinder Studierender und Angestellter der Hochschule vorhanden sind.
Ebenso lassen das Beratungsangebot und die Unterstützung insbesondere für alleinerziehende Mütter und Väter zu wünschen übrig. Hier müssen gute und geeignete Beratungsangebote zur Verfügung gestellt und die vorhandenen zeitlich ausgebaut werden.
Auch die Verpflegung in der Mensa muss familiengerecht gestaltet werden. Deshalb soll zu jedem Essen in der Mensa ein kostenloser Kinderteller für Studierende mit Kind angeboten werden. Für Studierende mit Kind und besonders für die Studierenden, die gerne Kinder bekommen möchten, ist auch eine Sensibilisierung aller Mitglieder der Hochschule von Nöten. Sowohl Hochschulleitung und Lehrpersonal als auch Mitstudierenden ist die Situation, in der sich Studierende mit Kind befinden, oft einfach nicht bewusst. Unser Ziel ist es, dass alle Akteure der Hochschulen die individuellen Bedürfnisse dieser Gruppe wahrnehmen und anerkennen. Nur so lässt sich der Alltag an den Hochschulen so gestalten, dass Menschen mit Kind gleichberechtigt studieren können. Entscheidend ist hierbei auch die grundsätzliche Anerkennung der Entscheidung, während oder vor dem Studium ein Kind zu bekommen. Konkreter setzen wir uns für die Möglichkeit eines Teilzeitstudiums in allen Fachbereichen ein. Nur so können die Studienabläufe so flexibel gestaltet werden, dass Studierende ihren Zeitaufwand für das Studium jedes Semester flexibel an ihre Möglichkeiten anpassen können.
Darüber hinaus sollte in der Studienorganisation die Situation von Studierenden mit Kind besser berücksichtigt werden. Viele Pflichtveranstaltungen werden in jedem Semester zur genau gleichen Uhrzeit angeboten. Fällt diese beispielsweise auf 18 – 20 Uhr ist es Studierenden mit Kind so gut wie unmöglich die Veranstaltung zu besuchen, da für diese Zeit kaum Betreuungsmöglichkeiten für Kinder bestehen. Daher fordern wir alle an der Studienorganisation Beteiligten dazu auf, die Studierbarkeit auch für Studierende mit Kind zu gewährleisten!

Keine Kommerzialisierung der Hochschule
Wie jede Universität oder Hochschule muss auch die Bamberger auf Drittmittel zurückgreifen, um ihr Bildungsangebot aufrechterhalten zu können. Dabei ist es allerdings naiv zu glauben, dass private Investor*innen aus idealistischen Gründen Geld für die Hochschule spenden. Sie verfolgen gezielt ihre Eigeninteressen und unterstützen auch nur Forschungsprojekte, aus denen sie einen Gewinn erwarten können. Die Hochschulen bringen sich dadurch in eine gefährliche Position – durch die Abhängigkeit von diesen Mitteln, öffnet auch die Uni Bamberg der Privatwirtschaft die Möglichkeit, massiv auf die Hochschule Einfluss zu nehmen. Die Unternehmen verfolgen aber nicht die Interessen der Studierenden – sie wollen für sich selbst nützliche Forschungsergebnisse bewirken und für ihre Unternehmensstruktur passend ausgebildete Fachkräfte erhalten. Studiengänge, aus denen ein geringer kommerzieller Nutzen erwartet wird, werden dadurch vernachlässigt. Die Uni Bamberg und allgemein Hochschulen sollten aber keine Schmiede der Unternehmen sein, denn Bildung ist ein hohes Allgemeingut und der Fokus sollte auf der freien Entfaltung des Individuums liegen. Deshalb fordern wir die Unabhängigkeit von Drittmitteln, damit eine freie, kritische Bildung möglich ist!

Kritisches Denken und Wissenschaft fördern
Alle fortschrittlichen Entwicklungen und Ideen wie Menschenrechte, Demokratie oder Gleichstellung von Mann und Frau, sind im Rahmen dessen entstanden, dass Menschen gesellschaftliche Zustände kritisch hinterfragt und verändert haben. Deshalb geht es bei Bildung nicht darum, dass durch ein Turbo-Studium die jungen Menschen in kürzester Zeit striktes Wissen auswendig lernen sollten, sondern Wort-wörtlich im Studium auch die Facetten der gesamten Wissenschaft studiert werden können und somit kritisches Denken allgemein gefördert wird. Entgegen dem sollen jedoch Studierende so schnell wie möglich das Studium absolvieren und an den Arbeitsmarkt sowie an die Gesellschaft angepasst werden – ein Weg, der aus unserer Sicht die wissenschaftlichen und denkerischen Fähigkeiten eines jeden Studierenden weitgehend  untergräbt und der Gesellschaft und dem Arbeitsmarkt vorenthält. Alle Menschen müssen zu kritischem Denken befähigt werden, damit sie die Gesellschaft und die gegebenen Verhältnisse kritisch hinterfragen und ändern können. Fortschritt entsteht durch kritisches Denken und nicht durch Marktkonformität! Daher fordern wir eine  Abschaffung der Höchststudienzeit und weniger Pflichtveranstaltungen für Studierende. Es gilt hier das einfache, alltägliche Sprichwort: Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit!
Kapazitäten ausbauen statt Zulassungsbeschränkungen einführen

Viele Menschen können nicht ihr Wunschfach studieren, da es an der Universität Bamberg, wie auch an allen anderen Hochschulen in Deutschland, Zulassungsbeschränkungen gibt. Ob die Abiturnote ausschlaggebend dafür ist, ob jemand für ein Studienfach geeignet ist oder nicht, oder inwiefern jemand deshalb für einen Studienplatz bevorzugt wird, ist höchst fragwürdig. Denn die Abiturnote allein ist kein geeigneter Gradmesser, der die persönliche Eignung für ein bestimmtes Studienfach anzeigt. Zudem sind Abiturnoten nicht von Bundesland zu Bundesland vergleichbar, da das Abitur nicht deutschlandweit zentral gestellt wird. Auch die Hinzunahme von weiteren Faktoren, wie sie beispielsweise in einem Punktesystem realisiert werden soll, bildet nie die ganze Persönlichkeit und intellektuelle Eignung für ein bestimmtes Studienfach ab. Wir lehnen daher jegliche Zulassungsbeschränkungen, egal wie sie ausgestaltet sind, ab. Wir setzen uns dafür ein, dass mehr Kapazitäten geschaffen werden, so dass auch jede(r) ihr/sein Wunschfach studieren kann. Auch in Zukunft werden sich immer mehr Menschen an Hochschulen einschreiben, da für immer mehr Tätigkeiten in unserem spezialisierten Wirtschaftssystem ein Hochschulabschluss nötig ist. Mehr Studienplätze sind daher unabdingbar! Dies gilt vor Allem auch für Masterplätze, da viele Bachelorabsolvent*innen nicht den Master wählen können, den sie sich wünschen. Teilweise müssen sie sogar die Uni wechseln um einen Masterplatz zu ergattern, der wenigstens annähernd seinen/ihren Interessen entspricht. Deshalb muss von studentischer Seite der Druck auf die Politik verstärkt werden, damit endlich gehandelt wird. Die Konsequenzen der Versäumnisse der bayerischen Staatsregierung tragen heute auch die Studierenden in Bamberg. Die Hörsäle platzen zum Teil aus allen Nähten, konzentriertes und vernünftiges Arbeiten wird unmöglich. Menschen vom Studium auszuschließen darf dafür aber keine Lösung sein. Es muss vielmehr in Bildung investiert werden, damit freie Bildung und Entfaltung gemäß unserer Verfassung auch tatsächlich umgesetzt wird.

Für mehr studentische Mitbestimmung an der Hochschule
Ein Punkt, der in der kommerzialisierten Hochschule keinen Platz hat, ist die Mitbestimmung von Studierenden bei allen Angelegenheiten der Universität. Im „Aufsichtsrat“ der Hochschule, dem Universitätsrat, im Senat und in den Fakultätsräten existiert so gut wie kein Mitspracherecht der Studierenden. Gerade zentrale Fragen, die das Studium betreffen, sollten im Einvernehmen mit allen Mitgliedern der Hochschulfamilie getroffen werden und nicht von der Gruppe der Professor*innen patriarchalisch aufgezwängt werden. Wir fordern die Abschaffung  aller Statusgruppen an der Universität. Eine echte Hochschuldemokratie muss jedem Mitglied der Hochschule in allgemeinen unmittelbaren, freien gleichen und geheimen Hochschulwahlen das gleiche Stimmgewicht eingeräumen. Es darf hier keine Ungleichberechtigung zwischen Professor*innen, Student*innen, sowie allen anderen Universitätsangehörigen in ihrem Stimmgewicht geben.
Auch setzen wir uns für ein Hochschulparlament als höchstes beschlussfassendes Hochschulgremium ein, das im Rahmen der Hochschulwahlen gewählt wird. Zu den Aufgaben des Hochschulparlaments gehören das Beschließen des Haushaltes der Hochschule und den Prüfungsordnungen, sowie die Wahl der Hochschulleitung. Für eine gerechtere Hochschule muss allen Universitätsangehörigen das gleiche Mitspracherecht eingeräumt werden – in allen Entscheidungen, die die Universität betreffen. Denn Demokratie ist ein Idealzustand, welchen wir noch lange nicht erreicht haben und muss alle Institutionen und Gesellschaftsbereiche durchdringen! Deshalb muss sie auch an der Universität gelebt werden und darf nicht eine Floskel auf dem Papier bleiben!
Für die Wiedereinführung einer verfassten Studierendenschaft
In Bayern wurde die verfasste Studierendenschaft (VS) in den 1970er Jahren abgeschafft und bis heute nicht wieder eingeführt. Die VS ist ein gesetzlich verankertes Sprachrohr der Studierenden. Aufgaben sind u.a. die Verwaltung von Sozialbeiträgen, Semestertickets und kulturellen Veranstaltungen bis hin zur hochschulpolitischen und politischen Vertretung der Studierenden gegenüber und innerhalb der Gremien der Universität. Wir setzen uns außerdem dafür ein, dass die VS als ein allgemeinpolitisches Mandat ausgestaltet wird, die VS die Studierenden also auch auf anderen Gebieten, außer der reinen Hochschulpolitik, vertritt. Denn Hochschule und Gesellschaft kann man nicht getrennt voneinander betrachten. Hochschulpolitik ist Gesellschaftspolitik! Heute ist Bayern das einzige Bundesland, in dem sich die Studierenden nicht in einem Allgemeinen Studierenden Ausschuss (AStA) organisieren dürfen und dadurch nicht als juristische Körperschaft auftreten können. Die Folge ist, dass die bayerischen Studierendenvertretungen rechtlich und finanziell nur sehr begrenzt handlungsfähig sind. Somit wird auch den Studierenden die Mündigkeit abgesprochen, sich selbst organisieren und verwalten zu können. Oftmals wird behauptet, dass dann Gelder von studentischer Seite verschwendet werden würden (die Ausnahmen werden zur Regel gemacht). Nach dieser Logik, müsste man auch den Parlamentarismus und die Demokratie abschaffen, wenn eine Regierung Steuergelder in den Sand setzt. Wir fordern daher die Wiedereinführung der VS und des AStA, um die Interessen der Studierenden angemessen vertreten und um die Aufgaben im Sinne des bayerischen Hochschulgesetzes angemessen erfüllen zu können. Denn unserer Meinung nach wissen Studierende selbst am besten, wo der Schuh drückt und wo Angebote geschaffen werden müssen.
Gegen die Ausbeutung studentischer Hilfskräfte

Wer in einmal die Arbeit in unseren Lehrstühlen genauer betrachtet, sieht wie viele studentische  Hilfskräfte bei der Arbeit für Forschung und Lehre mitwirken. An der Uni Bamberg gibt es im Moment etwa 500 studentische Hilfskräfte. Wie in nahezu allen anderen Hochschulen werden sie für ihre Arbeit an den Lehrstühlen unterbezahlt. 7,00€/Stunde für studentischen Hilfskräfte ohne Hochschulabschluss ist eindeutig zu wenig. Für Fließbandarbeit in der Privatwirtschaft werden sogar deutlich höhere Löhne für studentische Ferienarbeiter bezahlt. Gerade große Institute wie BACES oder NEPS (Anmerkung: NEPS gehört nicht mehr zur Universität, allerdings ist die Uni noch an dem Projekt beteiligt) behandeln ihre Angestellten schlechter als sie ihnen gesetzlich erlaubt ist. Wenige wissen von ihren Rechten, wie zum Beispiel bezahlte Urlaubsstunden, oder dass im Krankheitsfall versäumte Arbeit nicht nachgearbeitet werden muss. Wir setzen uns deshalb in Zukunft verstärkt für die Aufklärung der Hilfskräfte ein: Wir fordern, dass künftig jedem neu abgeschlossenem Arbeitsvertrag ein Flyer mit Rechten und Pflichten der Hilfskräfte beigelegt werden muss. Außerdem setzen wir uns für eine gerechtere Entlohnung ein, indem wir einen Tarifvertrag und den Vergütungshöchstsatz für studentische Hilfskräfte nach der Richtlinie der Tarifgemeinschaft deutscher Länder fordern: 8,60€/Stunde ohne Abschluss, 10,03€ mit Bachelorabschluss, wissenschaftliche Hilfskräfte mit abgeschlossener Hochschulbildung: 13,61€. Wissenschaftliche Arbeit ist wichtig und muss gerecht entlohnt werden!

Für mehr virtuellen Datenschutz 
Wir fordern die Beseitigung der Datenlücke im VC. Bisher sind alle E-Mail-Adressen für jeden Kursteilnehmer einsehbar, auch Unternehmen dürften an diesen Daten interessiert sein und könnten sich momentan leicht Zugang dazu verschaffen. Um die Kommunikation unter Kursteilnehmer*innen weiterhin zu ermöglichen, fordern wir ein Nachrichtensystem innerhalb des VC ohne E-Mail-Adressen. Weiterhin setzen wir uns für die Unsichtbarkeit in den Kursen ein: Wann wer in welchem Kurs zuletzt online war geht niemanden etwas an. Auch Dozenten können jederzeit sehen, wann einzelne Studierende zuletzt online waren. Daher kann hierunter auch die neutrale Beurteilung und Benotung des Dozenten beeinträchtigt sein.

Gegen allgemeine Anwesenheitspflicht in Veranstaltungen

Die Juso-Hochschulgruppe Bamberg spricht sich gegen eine allgemeine Anwesenheitspflicht in den Veranstaltungen aus. Eine Pflicht zur Anwesenheit verletzt die Entfaltung der freien und selbstbestimmten Bildung. Den Studierenden muss es überlassen sein, in welcher Form sie die Lehrangebote der Universität wahrnehmen möchten. Ein Teilnahmezwang verbessert weder die Qualität der  Lehrveranstaltungen, da nicht die bloße Anwesenheit, sondern die aktive Teilnahme entscheidend ist, noch sorgt sie für eine bessere Aufnahme von Lehrinhalten, da Lehrveranstaltung nur eine der verschiedenen Arten der Wissensvermittlung ist. Jeder Mensch bildet sich auf unterschiedliche Weise, er sollte sich deshalb die für ihn beste Form frei aussuchen dürfen. Einen Zwang zur Anwesenheit verbessert weder die Lehre, noch hilft sie den Studierenden im Studium. Sie stellt daher eine unzulässige Barriere im Studium dar, was auch das Kultusministerium in einem Schreiben klar geäußert hat! (Zitat: “Es wird daran erinnert, dass die Vergabe von Leistungspunkten begrifflich nicht an Anwesenheit geknüpft ist”[1]). Die Freiwilligkeit der Anwesenheit ist deshalb zu wahren!

Sperrstunde / Studentisches (Nacht-)Leben
Die Studierendenvertretung und Hochschulgruppen finanzieren sich unter anderem Dank der Abschaffung der Verfassten Studierendenschaft aus kulturellen Abendveranstaltungen und Parties, die sie organisieren. Mit der Einführung der Sperrstunde wurde diese Möglichkeit stark eingeschränkt. Die kulturellen und musischen Interessen der Studierenden können schwer vertreten werden, wenn Regelungen wie die Sperrstunde die finanzielle Grundlage dieser Veranstaltungen gefährdet. Die Ereignisse der letzten Zeit wie beispielsweise WG-Partys mit 500 Gästen oder „Alkohol-Exzesse“ auf der Unteren Brücke haben deutlich gezeigt, dass die Sperrstunde keine Lösung für Ruhestörung und Vandalismus ist, sondern im Gegenteil die Situation verschärft. Außerdem lehnen wir ab, dass Studierende in Diskussionen häufig als „Gäste“ anstatt gleichberechtigte Bürger*innen der Stadt Bamberg und Umgebung behandelt werden. Wir setzen uns seit Jahren für die Abschaffung der Sperrstunde ein, indem wir beispielsweise im Stadtbeirat zum Thema Sperrstunde Studierendeninteressen vertreten haben. haben.

 

[1] Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst 2013: Vermerk zum Gespräch des Herrn Staatsministers mit Vertretern der Landes-AStenkonferenz (LAK) am 20.03.2013, auch online unter: https://stuve.uni-erlangen.de/blog/wp-content/uploads/2013/11/Anwesenheitspflichten.pdf